Fachtag Kinder und häusliche Gewalt
Wege der verbesserten Kooperation
Rund 90 Teilnehmer besuchten den Fachtag zum Thema „Kinder und häusliche Gewalt – Wege der verbesserten Kooperation“ in der Kreisverwaltung in Ingelheim, eine Fortbildungsveranstaltung für Fachkräfte des Netzwerks Kindeswohl.Das rheinland-pfälzische Landesgesetz zum Schutz von Kindeswohl und Kindergesundheit, das im März vergangenen Jahres in Kraft getreten ist, überträgt dem Jugendamt die Aufgabe, Fortbildungsveranstaltungen für Fachkräfte im Arbeitsfeld anzubieten. Kreisbeigeordnete Irene Alt freute sich über die zahlreichen Anmeldungen aus den verschiedenen Einrichtungen. „Die große Resonanz der Teilnehmer macht deutlich“, so Alt, „wie wichtig die Thematik einrichtungsübergreifend ist“. Sie dankte den Anwesenden für ihr Engagement, sich kontinuierlich aktiv und verantwortungsbewusst in das Netzwerk zum Kindeswohl, das der Landkreis bereits seit dem Sommer 2006 aufbaut, einzubringen. Alt begrüßte Vertreter von Kindertageseinrichtungen, Schulen, Beratungsstellen, Polizei, Gericht, Jugend- und Gesundheitsamt der Kreisverwaltung Mainz-Bingen, Fachkräfte aus Opferhilfseinrichtungen sowie Mitarbeiter der kreisangehörigen Gemeindeverwaltungen.
Die Leiterin des Frauenhaus Bad Kreuznach Frauen helfen Frauen e. V., Petra Baumgärtner, hatte als Moderatorin und Referentin die Aufgabe, durch den Fachtag zu führen. Jugendamtsleiterin Monika Kern-Wernersbach wies die Teilnehmer zu Beginn in einem Kurzreferat in die Thematik häuslicher Gewalt ein. Sie machte darauf aufmerksam, dass Kinder ein gesetzlich verbrieftes Recht auf gewaltfreie Erziehung haben. Baumgärtner brachte den Anwesenden in ihrem Referat die Situation der Kinder, die häusliche Gewalt erleben, näher. Deutlich wurde dabei, wie massiv und nachhaltig Kinder oft lebenslang unter den Folgen der Gewalterfahrungen leiden. Polizeioberkommissarin Susanne Franke und Polizeikommissarin Tamara Sauer von der Polizeiinspektion 1 Mainz berichteten sehr anschaulich über ihre berufliche Praxis in Fällen von Gewalt in engen sozialen Beziehungen. Andreas Cohnen, Familienrichter am Amtsgericht Mainz, informierte über die rechtlichen Bestimmungen des Gewaltschutzgesetzes und Möglichkeiten und Grenzen der Arbeit am Familiengericht.
Über den Austausch in Arbeitsgruppe wurden die Beteiligten auch für die Perspektiven der anderen Professionen sensibilisiert. Schließlich ging es darum, gemeinsam zu überlegen, welche Wege der Kooperation künftig gegangen werden können um auf häusliche Gewalt frühest- und bestmöglich – insbesondere auch im Sinne der betroffenen Kinder – zu reagieren. Bei der Auswertung wurde schnell deutlich, dass es an Ideen und Möglichkeiten Kooperationen auszubauen und Arbeitsschritte zu optimieren, nicht mangelt. Moderatorin Baumgärtner und Abteilungsleiterin Kern-Wernersbach zogen am Ende des Tages ein sehr positives Fazit. Kern-Wernersbach schlug die Einrichtung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von Vertretern des Jugendamtes, der Polizei und des Familiengerichtes vor, um den regelmäßigen Austausch auch in Zukunft sicherzustellen. Die Ergebnisse des Fachtags werden im Nachgang ausgewertet und als Grundlage für weitere Arbeitsschritte verwandt.
Im vergangenen Jahr hatte das Kreisjugendamt bereits eine Fortbildung zum Thema „Befunderhebung und Interpretation von Kindeswohlgefährdung aus rechtsmedizinischer Sicht“ mit der Rechtsmedizinerin Dr. Bianca Navarro sowie als Kooperationspartner der Suchtberatungsstellen im Landkreis Fortbildungsangebote zum Thema „Kinder aus suchtbelasteten Familien“ veranstaltet. In ihrem Schlusswort wies Jugendamtsleiterin Monika Kern-Wernersbach bereits auf die für das nächste Jahr geplante Fortbildung hin. Thema der Fortbildung: Kinder psychisch kranker Eltern.