Unternehmen weist geforderte Maßnahmen weitestgehend zurück

Deutsche Bahn reagiert auf Resolution des Kreisausschusses zum Bahnlärm

Die Deutsche Bahn AG (DB) hat mit einem Schreiben an den Landkreis Mainz-Bingen auf die Resolution des Kreisausschusses zum Bahnlärm im Mittelrheintal reagiert. Darin weist das Unternehmen die Forderungen der Kreispolitiker weitestgehend zurück. So lehnt die DB etwa lärmabhängige Trassenpreise ab. Dieses Instrument, das an Flughäfen bereits in Form von lärmabhängigen Landegebühren besteht, wird von dem Unternehmen als Wettbewerbsnachteil der Schiene gegenüber der Straße angesehen. Auch der Bau einer Entlastungsstrecke sei im aktuellen Bedarfsplan nicht enthalten. Auf die Forderung des Kreisausschusses nach einem Nachtfahrverbot, insbesondere für laute Güterzüge, geht die Deutsche Bahn außerdem ebenso wenig ein wie auf den Wunsch nach Lärmobergrenzen im Zugverkehr. Der Vorschlag der Kreispolitiker von Geschwindigkeitsbegrenzungen im Güterverkehr wird von der DB mit der Begründung zurückgewiesen, dass diese Maßnahme die Lärmbelastung nur bedingt senke, da sie auch zu längeren Laufzeiten der Züge, längeren Schließzeiten an den Bahnübergängen und einer dichteren Zugfolge führe.

Zu einem geforderten Verbot älterer Güterwaggons mit Graugussbremsklotzsohlen äußert sich die Deutsche Bahn insofern, als dass auf die seit 2001 erfolgte Anschaffung von 5000 Wagen mit neueren, leiseren Verbundstoffbremsen verwiesen wird. Die DB gesteht aber gleichzeitig ein, dass auch eine Umrüstung der Bestandsflotte notwendig ist und schreibt: „Damit diese Reduktion des Güterverkehrslärms zur vollen Wirkung kommt, muss die Umrüstung auf den gesamten Wagenpark erweitert werden.“ Laut der öffentlich einsehbaren Statistik auf der Internetseite von DB Schenker Rail, der Güterverkehrstochter der Deutschen Bahn, beträgt die Anzahl der eigenen Güterwagen der DB-Tochter knapp 95 000. Dazu kommen circa 7000 geleaste Güterwagen und rund 70 000 Güterwagen fremder Halter. Das Unternehmen führt an, dass im Rahmen des Pilotprojekts „Leiser Rhein“ des Bundes, mit dem Gelder für die Umrüstung alter Wagen auf die neuen Bremsen bereitgestellt worden sind, bis zum Jahr 2012 bis zu 5000 Wagen auf die leiseren Bremsen umgestellt werden sollen.

Die Länder Rheinland-Pfalz und Hessen haben indes vor kurzem ein „10-Punkte-Programm Leises Rheintal“ vorgelegt, in dem sich die Umwelt- und Verkehrsminister der beiden Bundesländer für Maßnahmen gegen Bahnlärm einsetzen und neben der Gefährdung der Gesundheit durch Bahnlärm auch auf die Gefährdung von regionaler Wirtschaft und Tourismus durch den Lärm aufmerksam machen. Daneben wird auch die Befürchtung angestellt, dass das Lärmniveau sich erhöhen werde, wenn der Güterkorridor Rotterdam-Genua aufgrund der Fertigstellung des Gotthard-Basistunnels an weiterer Attraktivität gewinne. In ihrem Brief schreibt die DB lapidar: „Zunehmender Schienenverkehr bei gleichzeitig deutlich abnehmender Lärmbelastung ist kein Widerspruch.“

„Die Aussagen sind nach wie vor äußerst unbefriedigend. Wir können diese Position der Deutschen Bahn AG keinesfalls akzeptieren und werden weiterhin im Sinne der Bürgerinnen und Bürger entlang der Rheinschiene gegen die Lärmbelastung „kämpfen“. Letztlich geht es darum, unseren Landkreis an dieser wichtigen Bahntrasse lebens- und liebenswert zu erhalten“, so der zuständige Kreisbeigeordnete Adam Schmitt.

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