„Die Option, eine Herzensangelegenheit“

(Auszüge aus dem Interview mit dem Deutschen Landkreistag)

Die Kreisverwaltung Mainz-Bingen ist eine bürgernahe Verwaltung, wir verstehen uns als modernen, serviceorientierten Dienstleister, der für die Bürgerinnen und Bürger da ist. Aus diesem Anspruch heraus möchten wir das SGB II in Eigenregie umsetzen. Denn als Kommune sind wir näher an den Betroffenen, aber auch an den Unternehmen und Betrieben. Dadurch ergeben sich viele Vorteile wie die größere Nähe zum Arbeitsmarkt, verbunden mit der Möglichkeit einer effektiven Integrationsstrategie, mit der Arbeitgeber und Arbeitnehmer so gut wie möglich zusammen geführt werden sollen.

Wir können uns an lokalen und regionalen Bedürfnissen sowie auch Angeboten und Möglichkeiten orientieren und möchten mehr Gestaltungsspielräume nutzen.

Der Landkreis Mainz-Bingen mit seinen ca. 213.000 Einwohnern ist mit seiner demographischen Entwicklung, seiner wirtschaftlichen Stärke und seinen infrastrukturellen Bedingungen dabei nahezu prädestiniert, um im Interesse der Bürgerinnen und Bürger das SGB II noch mehr nach regional spezifischen Aspekten und Handlungsschwerpunkten umzusetzen.

Unser Jobcenter hat als Arbeitsgemeinschaft und gemeinsame Einrichtung in den vergangenen Jahren erfolgreich gearbeitet, um hilfebedürftige Leistungsempfänger in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dennoch bin ich überzeugt, dass die langzeitarbeitslosen Bürgerinnen und Bürger von der gebündelten regionalen Kompetenz noch mehr profitieren werden.

Wir haben in der Vergangenheit sehr gut mit der Agentur für Arbeit im Jobcenter zusammen gearbeitet und wir werden den Übergang zum Optionsmodell in guter Partnerschaft mit der Agentur für Arbeit vollziehen.

Aber wir haben einen entscheidenden Vorteil: Wir kennen die Strukturen vor Ort besser, wissen um die besonderen Problemlagen und können dort Schwerpunkte setzen, wo der unmittelbare Bedarf besteht. Wir können unser Handeln unmittelbar am lokalen Sozialraum orientieren, auch kurzfristig, wir können flexibler und kreativer reagieren. Dazu streben wir den regelmäßigen Austausch mit den verschiedenen Akteuren, Unternehmen und Betrieben in einem Kompetenzforum an.

So erfahren wir schnell:
  • Welche Qualifikationen werden benötigt?
  • Für welchen Zeitraum?
  • Welche Befähigungen müssen Bewerber mitbringen?
Mit diesen Informationen können wir auch kurz- und mittelfristig gezielt weiterbilden und qualifizieren. Sowohl das Jobcenter als auch insbesondere der Geschäftsbereich Jugend und Soziales, sowie das Jugendamt arbeiten eng mit den Sozialverbänden und Trägern von sozialen Maßnahmen zusammen. Wir werden die vielen  guten und konstruktiven Verbindungen auch nutzen, um uns auf die Suche nach individuellen und falls nötig auch unkonventionellen Lösungen für den Einzelfall begeben.

Wir können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenters mit diesen Rahmenbedingungen viel intensiver für die Bedürfnisse und Problemlagen der betroffenen Menschen sensibilisieren und mit dem gesamten Spektrum an integrierten Hilfe- und Unterstützungsleistungen, das der Kreisverwaltung zur Verfügung steht, gezielt helfen.

Ich bin sicher, dass wir so insbesondere langzeitarbeitslose Menschen mit mehrfachen Vermittlungshemmnissen als Individuen viel passgenauer unterstützen und fördern können, ohne sie in eine Schablone pressen zu müssen. Wir möchten einem am Menschen orientierten  pragmatischen Ansatz immer den Vorzug geben.  

Wir werden kurze Wege haben und eine klare und nachvollziehbare Ansprache wählen. Bürgerinnen und Bürger sollen mitarbeiten, um mit unserer Unterstützung Verantwortung zu übernehmen, sie sollen spüren, dass sie und ihr Anliegen im Mittelpunkt stehen.

Die Zusammenarbeitdes Jobcenters mit dem Callcenter wird entfallen. Vorsprachen in dem Empfang sind ohne Termin zu jeder Zeit während der Öffnungszeiten möglich, sofern dort eine qualifizierte Bearbeitung des Anliegens nicht oder nur eingeschränkt möglich sein sollte, wird die umgehende Weitervermittlung zur Sachbearbeitung angestrebt, unbürokratisch auch ohne  Termin.

Die Bürgerinnen und Bürger sollen einen möglichst direkten Zugang zu ihrem eigenen Sachbearbeiter haben. Die betroffenen Menschen werden ganzheitlich betreut, maßgeschneiderte Hilfen für die verschiedenen Lebenslagen sollen das Ziel und die Aufgabe sein.

Dort wo es notwendig ist, sollen erforderliche Kontakte vermittelt werden -  etwa mit der Schuldnerberatung, der Betreuungsbehörde, dem Sozialamt, dem Jugendamt, den psychosozialen Beratungsstellen und anderen Querschnittsabteilungen der Kreisverwaltung und freien Trägern. Außerdem werden die Bescheide und Anträge so formuliert, dass sie leicht verständlich und nachvollziehbar sind.