Kindergesundheitskonferenz: Lebenswelt Kita

Die Lebenswelt von Kindern hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. So verbringen bereits kleine Kinder immer mehr Zeit vor Bildschirmen, während die Zeit zum draußen spielen oder beim Sport oft zu kurz kommt. Um sich diesen Entwicklungen anzunehmen und zur weiteren Auseinandersetzung mit zentralen Themen der Kindergesundheit wie Bewegung, psychische Gesundheit, Ernährung, Sprache, Klimaanpassung und Hygiene, hat der Landkreis Mainz-Bingen das Struktur- und Prozess-Element „Kindergesundheitskonferenz“ am 8.10.2024 offiziell gestartet.
Ziel ist es, mit möglichst allen Akteuren, die die Kindergesundheit beeinflussen können, wie Kitafachkräften, Kinderärztinnen und -ärzten, Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Psychologie, Pädagogik und sozialen Arbeit, aus kommunalen und privaten Einrichtungen sowie Ehrenamtskoordinatorinnen und -koordinatoren ein interdisziplinäres Netzwerk aufzubauen.
Nach der Auftaktveranstaltung am 08. Oktober 2024 wurden zwei erste Arbeitskreise gegründet, die sich im Landkreis Mainz-Bingen und der Stadt Mainz nun zunächst mit den Themen psychische Gesundheit und Sprachkompetenz von Kindern in der Kita/ im Vorschulalter befassen werden.
Auftaktveranstaltung 08.10.2024
Am 08. Oktober 2024 eröffneten Landrätin Frau Dorothea Schäfer und Beigeordneter Herr Dr. Eckart Lensch die Auftaktveranstaltung zur Verbesserung der Kindergesundheit im Landkreis Mainz-Bingen und der Stadt Mainz im Rahmen einer Kindergesundheitskonferenz, welche vom Präventionsteam des Gesundheitsamtes geplant wurde.
Wenn es um das Aufwachsen von Kindern geht, kommt der Kita neben dem Elternhaus eine wichtige Rolle zu. Da Kitas von den meisten Kindern besucht werden, stellen sie einen idealen Ort für Gesundheitsförderung dar. Aus diesem Grund lag der Fokus der Auftaktveranstaltung auf der „Lebenswelt Kita“.
Der renommierte Professor Dr. Bernhard Kalicki vom Deutschen Jugendinstitut in München informierte die Teilnehmenden in seinem Fachvortrag zum Thema Gesundes Aufwachsen für alle Kinder: gesellschaftliche Trends, vulnerable Zielgruppen und Handlungskonzepte. „Trends wie Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung und der steigende Medienkonsum können bereits in jungen Jahren zu Problemen wie Übergewicht und psychischen Belastungen führen.“ Dabei wurde deutlich, dass diese Aspekte nicht getrennt voneinander fungieren, sondern zusammen das gesunde Aufwachsen beeinträchtigen. Für die Zukunft wünscht er sich, dass es mehr Initiativen wie die Kindergesundheitskonferenz gibt und die gesunde Entwicklung von Kindern auf kommunaler Ebene weiter in den Fokus rückt.
Einen kleinen Einblick in die Kindergesundheitskonferenz gibt es in diesem Video auf dem Instagram-Kanal des Landkreises.
Wer beruflich mit Kindern im Kitaalter arbeitet und Interesse an einer Mitarbeit hat, kann sich zur unverbindlichen Aufnahme in die jeweiligen Verteiler gerne an prvntnmnz-bngnd wenden.
Mit dieser Kindergesundheitskonferenz wollen wir ein Netzwerk schaffen, das langfristig an den Gesundheitsthemen für Kinder arbeitet. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit verschiedenen Akteuren wie Fachkräfte aus der pädagogischen oder sozialen Arbeit oder des Gesundheitswesens dauerhafte und nachhaltige Maßnahmen zu entwickeln.“ (Dr. med. Gabriele von der Weiden, Präventionsteam Gesundheitsamt Mainz-Bingen).
Das Anliegen des Gesundheitsamtes ist es, die künftige Gesundheitsförderung in der Kommune integriert anzugehen, das heißt, über die Vernetzung und Einbindung möglichst aller Professionen, die Einfluss auf das gesunde Aufwachsen von Kindern ausüben.
Mit der praktischen Arbeit wurde während der Auftaktveranstaltung auch direkt begonnen: Die Teilnehmenden setzten sich in Kleingruppen mit den verschiedenen Aspekten der Kindergesundheit auseinander und stellten die Ergebnisse und Ideen anschließend vor. Die darauffolgende Abstimmung verdeutlichte, dass die Teilnehmenden den größten Handlungsbedarf in der Kommune zunächst im Bereich der Sprachkompetenz und psychischen Gesundheit sehen.
Folgeveranstaltung 29.10.2025
Im Jahr 2025 wurde die Kindergesundheitskonferenz erneut ausgerichtet. Am 29. Oktober begrüßten Landrat Thomas Barth und Dezernentin Jana Schmöller die Teilnehmenden im Gesundheitsamt Mainz-Bingen.
Auch in diesem Jahr war das zentrales Thema, wie Kitas als ideale Orte für Prävention und Gesundheitsförderung genutzt werden können – spielerisch, niedrigschwellig und alltagsnah. Dabei standen sowohl die Gesundheit der Kinder als auch die Anliegen der pädagogischen Fachkräfte im Mittelpunkt.
Den Fachvortrag hielt Dr. Anne Huber, unterstützt von Ihrem Kollegen Lars Holder, von der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) Mainz. Bevor es inhaltlich losging, ließ sie die Teilnehmenden durch angeleitete Bewegungsübungen aktiv in den Vortrag starten – ganz im Sinne des Projekts SpoWiKids, das Dr. Huber anschließend vorstellte. Das Programm des Instituts für Sportwissenschaft der JGU begeistert Grundschulkinder (und in Zukunft auch Kitakinder) mit vielseitigen und spielerischen Bewegungsangeboten. Es stärkt motorische, soziale und kognitive Fähigkeiten, schafft ein gemeinsames Erlebnis und wirkt dem zunehmenden Bewegungsmangel sowie der steigenden Bildschirmzeit entgegen.
Im Anschluss an den Vortrag hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, beim „Markt der Möglichkeiten“ an Infoständen neue Projekte und Initiativen kennenzulernen, die sich für Kindergesundheit einsetzen.
Im Rahmen der diesjährigen Konferenz wurde der Arbeitskreis „Bewegung“ gegründet. Wenn Sie beruflich mit Kitakindern arbeiten und Interesse an einer Mitarbeit haben, wenden Sie sich dafür an prvntnmnz-bngnd


Kommunaler Partnerprozess
Im Rahmen der Auftaktveranstaltung der Kindergesundheitskonferenz wurde offiziell der Beitritt des Landkreises Mainz-Bingen zum Kommunalen Partnerprozess besiegelt.
Der Kommunale Partnerprozess „Gesundheit für alle“ ist eine bundes- und landesweite Lern- und Vernetzungsplattform für Fachkräfte, die gemeinschaftlich das Ziel verfolgen ein gesundes und chancengerechtes Leben von Menschen jeden Alters zu fördern.
Historie
Die Anfänge der Kindergesundheitskonferenz liegen bereits über 20 Jahre zurück. Im Jahr 2001 nahmen Vertreter/-innen von Stadt und Landkreis mit großem Elan die Arbeit auf, legten in regelmäßigen Treffen eine gemeinsame Vorgehensweise fest und veranstalteten zwei Jahre später einen Fachtag, damals im Mainzer Rathaus. Die in dieser Zeit entstandenen wertvollen Kontakte und die vielfältige Zusammenarbeit bestehen zu einem großen Teil weiter fort.

