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„Wir Landkreise strampeln uns ab!“ – Ein Notruf aller Landrätinnen und Landräte

25.03.2026

Mit einer gemeinsamen Fahrradaktion durch die Landeshauptstadt Mainz haben alle 24 Landrätinnen und Landräte in Rheinland-Pfalz auf die angespannte Lage der Landkreise aufmerksam gemacht. Auch der Mainz-Binger Landrat Thomas Barth war dabei.

Lnadrat radelt

Pressemeldung des Landkreistages Rheinland-Pfalz: Unter dem Motto „Wir Landkreise strampeln uns ab!“ fuhren die Landrätinnen und Landräte von der MEWA-Arena quer durch Mainz ins Regierungsviertel und machten damit sichtbar, dass die kommunale Ebene seit Jahren am Limit arbeitet – finanziell, organisatorisch und personell.

Zentral für die kommende Wahlperiode sind aus Sicht des Landkreistages eine Finanzausstattung, die es den Landkreisen erlaubt ihre Kernaufgaben zu erledigen. Eine Bildungspolitik, die fördert und fordert und eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung. In allen Bereichen sehen sich die Landkreise mit stetig steigenden Aufgaben, höheren Standards und wachsender Verantwortung konfrontiert, ohne dass die dafür notwendigen Mittel in ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt werden. Die Landkreise fordern deshalb eine faire und verlässliche Finanzierung, klare Zuständigkeiten und echte Entlastung – damit staatliches Handeln vor Ort auch künftig verlässlich sichergestellt werden kann. Wesentlich ist hierfür, dass: mehr Vertrauen in die kommunale Ebene.

Landrat Achim Schwickert, Vorsitzender des Landkreistages Rheinland-Pfalz, machte in Mainz deutlich, wie ernst die Lage ist:

„Die rheinland-pfälzischen Landkreise strampeln sich seit vielen Jahren ab. Neben einer kontinuierlichen Unterfinanzierung der Kommunen haben wir mit einem zunehmenden Aufgabenzuwachs zu kämpfen. So kann es nicht weitergehen. Die neue Landesregierung ist hier jetzt gefordert. Wir haben heute ein deutlich sichtbares Zeichen durch die Landeshauptstadt gesetzt: So kann es mit uns nicht weitergehen, wir müssen in Zukunft alle in die Pedale treten.“

Ziel der Landrätinnen und Landräte ist es, die neue Landesregierung frühzeitig und unmissverständlich darauf hinzuweisen, dass ohne handlungsfähige Verwaltungen in den Landkreisen zentrale Aufgaben der Daseinsvorsorge – von der Bildung über soziale Angebote bis hin zur Gesundheitsversorgung – nicht dauerhaft gesichert werden können.

Nur mit einer ausreichend ausgestatteten und verlässlich finanzierten kommunalen Ebene lassen sich Schulen und Kitas betreiben, Gesundheits- und Krankenhausstrukturen erhalten, soziale Hilfen organisieren und Infrastruktur vor Ort modern halten. Die Landkreise erwarten daher, dass die anstehenden Koalitionsverhandlungen dafür genutzt werden, viel Zeit haben wir nicht mehr. Dazu Landrat Thomas Barth:

„Die Finanzausstattung der Landkreise ist nahezu flächendeckend ein erhebliches Thema. So können wir nicht weitermachen. Wir sehen uns mit extrem stark steigenden Pflichtausgaben konfrontiert, ohne dass die Einnahmeseite entsprechend mitwächst. Um für unsere Bürgerinnen und Bürger arbeits- und handlungsfähig zu bleiben, müssen die gesetzlichen Verpflichtungen deutlich reduziert werden. Außerdem brauchen wir ganz klar mehr Geld!“
Die Landräte

„Wir Landkreise strampeln uns ab!“ heißt es am Freitag, 27. März, zwischen MEWA-Arena und Regierungsviertel. Der Mainz-Binger Landrat Thomas Barth nimmt am Aktionstag des Landkreistages Rheinland-Pfalz in Mainz teil. Gemeinsam mit allen Landrätinnen und Landräten aus ganz Rheinland-Pfalz beteiligt er sich an einer Fahrradtour von der MEWA-Arena bis zum Landtag, um auf die äußerst angespannte finanzielle Lage der Landkreise aufmerksam zu machen.Der Hintergrund der Aktion ist ernst: Auch der Landkreis Mainz-Bingen steht vor erheblichen haushaltspolitischen Herausforderungen. Im kommenden Jahr wird im Kreishaus erstmals seit vielen Jahren wieder mit der Aufnahme von Investitionskrediten gerechnet. Im Jahr darauf stehen sogar Kassenkredite zur Begleichung der laufenden Ausgaben in der mittelfristigen Finanzplanung.

Insbesondere durch Gesetzgebungen von Bund und Land bedingte und extrem stark steigende Pflichtausgaben – vor allem in der Jugendhilfe und im Sozialbereich – sowie allgemein wachsende Kosten belasten den Haushalt erheblich. Die freiwilligen Ausgaben wurden in Mainz-Bingen in den vergangenen Jahren bereits bis auf ein Mindestmaß reduziert. Sollte der Mainz-Binger Etat strukturell nicht ausgeglichen werden können, hat die Aufsichtsbehörde bereits angekündigt, dass die Erhöhungen der Kreisumlage dringend umzusetzen sei – was wiederum vor Ort in den Kommunen den Handlungsspielraum einengt.

Mit seiner Teilnahme an der Aktion setzt Thomas Barth ein klares Zeichen für die schwierige Lage der kommunalen Haushalte und die Notwendigkeit nachhaltiger Lösungen auf Landes- und Bundesebene.

„Wir strampeln uns gerne für unsere Landkreise in Rheinland-Pfalz ab, aber ohne finanziellen Rückenwind ist es so, als würden wir mit platten Reifen und festgezogenen Bremsen bei Windstärke 10 im Gegenwind fahren. Wir setzen deshalb auf ein klares Miteinander und feste Mitspracherechte im Rahmen der Koalitionsverhandlungen der neuen Landesregierung“, betont der Landrat.